Terminologien und Codes — wer lizenziert was, und wogegen ist ein Code wahr

Ein Feld zu mappen ist die halbe Arbeit; die andere Hälfte ist, den Wert in ein Kodiersystem zu bringen, das der Empfänger kennt. Dieser Eintrag sortiert die Systeme, die im ISiK-Umfeld vorkommen, und ihre Lizenzlage.

Die Systeme im Überblick

SystemWofürHerausgeber / PflegeLizenz
SNOMED CTklinische Begriffe, sehr breitSNOMED International; DE: BfArM als nationales Kompetenzzentrum, NRC im Aufbauin DE kostenfrei, siehe unten
LOINCLaborwerte, Messungen, DokumenttypenRegenstrief Institutekostenfrei nach Registrierung
ICD-10-GMDiagnosen (Abrechnung)BfArM, Jahresversionenkostenfrei
OPSProzeduren/OperationenBfArM, Jahresversionenkostenfrei
Alpha-IDVerschlüsselung freier Diagnosetexte auf ICDBfArMkostenfrei
UCUMMaßeinheitenRegenstriefkostenfrei
KDLklinische Dokumentenklassen (in ISiK-Dokumentenaustausch)DVMDim ISiK-Paketbaum enthalten (FHIR-Paket dvmd.kdl.r4, Jahresfassung)
§ 301-SchlüsselFachabteilungen, Entlassgründe u. a.Vereinbarung nach § 301 SGB Vkostenfrei

Die deutschen Basisprofile (de.basisprofil.r4) und hl7.terminology bringen die FHIR-seitigen CodeSystem-/ValueSet-Definitionen mit; ohne sie im Paketbaum kennt ein Validator die deutschen ValueSets nicht. [Fakt]

SNOMED CT: lizenzpflichtig, aber in Deutschland kostenfrei

Das ist die Präzisierung, die dieser Eintrag vor allem trägt — die beiden Wörter werden oft verwechselt.

  • Deutschland ist Mitglied bei SNOMED International und trägt die Mitgliedsgebühr. Eine Affiliate-Lizenz ist deshalb im Inland kostenfrei zu beziehen. [Fakt, BfArM, 28.07.2026]
  • Beantragung über das MLDS-Portal (mlds.ihtsdotools.org) — es dient zugleich als Download-Center. Erforderlich sind Kontakt-/Organisationsdaten und eine jährliche Nutzungserklärung.
  • Unterschieden werden Affiliates (Organisationen, die Software dauerhaft betreiben — auch Softwarehersteller) und Endnutzer (Kliniken, Praxen, Apotheken, Forschung, Einzelpersonen). Affiliates verwalten Sublizenzen für ihre Endnutzer; diese brauchen dann keine eigene Lizenz.
  • Innerhalb Deutschlands keine kommerzielle Einschränkung. Nutzung in Nicht-Mitgliedsländern braucht eine gesonderte Freigabe über MLDS, und dort werden Gebühren fällig.
  • Die erste deutsche Übersetzung erschien am 17.11.2023, Aktualisierung halbjährlich.

Was das für SNOMED-Warnungen im Validator heißt

Es kursiert die Faustregel „SNOMED-Warnungen ignorieren, die Terminologie ist lizenzpflichtig”. Nach dem oben Gesagten ist diese Begründung falsch — in Deutschland ist sie es nicht. Die Praxis kann trotzdem vertretbar sein, nur aus einem anderen Grund:

  • Belegt: SNOMED steht nicht im ISiK-Paketbaum. Eine typische Validierungsumgebung lädt de.basisprofil.r4, hl7.terminology.r4, ihe.formatcode.fhir, ihe.iti.balp, ihe.iti.mhd, de.ihe-d.terminology, dvmd.kdl.r4 und die ISiK-Module — kein SNOMED. Wo eine Terminologie gar nicht geladen ist, entstehen aus ihr auch keine Warnungen. [Fakt]
  • Nicht belegt: dass eine künftige SNOMED-Warnung dieselbe Ursache hätte wie die bekannten Expansionsprobleme bei KDL, IHE-formatCode und practiceSetting. Die Analogie liegt nahe, ist aber eine andere Fehlerklasse. [Hypothese]

Die praktische Konsequenz: Sobald SNOMED-Codings auftreten (z. B. bei Encounter-/ServiceType-Kodierungen), ist das Nachladen der Terminologie ein eigener Aufwand. Aber die Ursache wäre dann erst zu diagnostizieren, nicht vorauszusetzen — mit der Gegenprobe aus Konformität und Validatoren: die offizielle Beispielinstanz durch denselben Validator schicken.

Warum das hier so ausführlich steht: Die verbreitete Begründung klingt zwingend und ist falsch. Sie durch eine zweite Erzählung zu ersetzen, die ebenso plausibel klingt und ebenso wenig geprüft ist, wäre derselbe Fehler eine Runde später — siehe Default-Deny-Grenze: „Ein Mechanismus, den man sich überzeugend erzählen kann, ist damit noch nicht ausgeführt worden.”

Bindungsstärken — warum manche Codes wehtun und andere nicht

FHIR bindet ein Element an ein ValueSet mit einer Stärke, und die entscheidet, ob ein fremder Code ein Fehler ist:

StärkeBedeutungFremder Code
requiredgenau aus diesem VSFehler
extensibleaus dem VS, außer es passt nachweislich nichtserlaubt, wenn begründet
preferredempfohlenHinweis
examplenur Illustrationegal

Wer eine Validator-Meldung liest, ohne die Bindungsstärke zu prüfen, hält Hinweise für Blocker — und Blocker für Geschmacksfragen. [Fakt]

Die Lehre, die in keinem Standard steht

Ein Code ist nur gegen eine konkrete Paketversion wahr.

Belegt an einem eigenen Testfall: Der Identifier-Typcode für die KVNR wurde in der aktuellen ISiK-Doku auf KVZ10 geändert — $validate gegen eine Instanz mit de.basisprofil.r4 1.4.0 weist ihn trotzdem zurück, weil diese Paketversion KVZ10 nicht kennt. Wer gegen sie prüft, bleibt bei GKV. [Fakt]

Praktische Regel: In eine Mapping-Spezifikation gehört nie nur der Code, sondern immer das Tripel System-URL + Code + Paketversion, gegen die geprüft wurde. Ohne die dritte Angabe ist die Aussage nicht nachvollziehbar und beim nächsten Paket-Update still falsch.

Zweiter Fall derselben Klasse: Ein Code kann korrekt und die Validierung trotzdem rot sein, wenn das ValueSet nicht expandierbar ist. Siehe Konformität und Validatoren.

Zwei KVNR — der Klassiker

Es gibt zwei Versichertennummern, und sie gehören an verschiedene Ressourcen:

  • 10-stellig (OID 1.2.276.0.76.4.8, Form: 1 Buchstabe + 9 Ziffern) — die Personen-Kennung, gehört an Patient.identifier.
  • 30-stellig (OID 1.2.276.0.76.4.1) — enthält das Kassen-IK, ändert sich beim Kassenwechsel, gehört an Coverage.identifier.

Und: die deutsche HL7-Tabelle 0203 kennt kein NI — die KVNR gehört nach IN1-49, nicht nach PID-3. Reale Sender liefern sie trotzdem dort. Ein Mapper sollte das tolerieren — aber mit Warnung, nie stillschweigend. [Fakt]

Ausblick: Terminologieserver

FHIR-basierte Terminologieserver ($expand, $validate-code, $translate als Dienst statt als lokale Paketdatei) gewinnen an Bedeutung; die gematik/INA hat dazu ein Positionspapier veröffentlicht. Für eine lokale Testinstallation nicht relevant — für den produktiven Betrieb die Antwort auf genau diese Expansionsprobleme. [Hypothese — Richtung belegt, Zeitpunkt und Verbindlichkeit nicht]